Warum migrieren?
Nach dem Russisch-Türkischen Krieg 1877-78 setzte die politische Neuordnung des Balkans türkische
muslimische Gemeinschaften im neu unabhängigen Bulgarien zunehmend unter Druck. In den 1890er und frühen
1900er Jahren wanderten muhacirs in Wellen vom Balkan nach Anatolien. Das Vilayet Konya hatte ca. 227.000
Dönüm freies Siedlungsland identifiziert; ca. 136.000 Dönüm (59,7%) lagen in Karaman, geeignet für etwa
6.800 Migranten.
Die Route
Die 94 Haushalte reisten in Etappen: Çayır → Köstence (Constanța, Rumänien) auf dem Landweg,
dann Seeüberfahrt nach Haydarpaşa (Istanbul), dann mit der kürzlich eröffneten Konya-Bagdad-
Eisenbahn nach Konya und schließlich auf dem Landweg nach Karaman. Ihre
Ankunft wurde von Çotuk Ahmet Efendi unterstützt, einer lokalen Persönlichkeit, die die Zuteilung des
Durayda-Landes organisierte. Die Konya-Bagdad-Eisenbahn, deren Bau 1903 begann, war kritische Infrastruktur
für die Logistik der Migration.
Gründung des Dorfes
Bis Ende 1907 (1323 im islamischen Kalender) hatten die 94 Haushalte ihre Ansiedlung auf dem Durayda-Land
abgeschlossen. Das neue Dorf wurde Mesudiye genannt — vom arabischen mes'ûd mit
der Bedeutung "glücklich, gesegnet" — mit dem Wunsch, dass die hier Lebenden zufrieden und in Frieden
leben mögen. Der Name wurde 1934 unter den Dorfnamen-Reformen der Republik amtlich registriert.
Der 400-jährige Zyklus
Die Migration war faktisch eine Rückreise. Im 16. Jahrhundert wurden unter der osmanischen sürgün-iskân-
Politik (Deportation-Ansiedlung) Avşar-Turkmenen aus Anatolien (Karaman, Maraş, Adana, Niğde, Kırşehir,
Sivas) in Dobrudscha und Deliorman — dem heutigen Bulgarien — umgesiedelt. Die Karabağlar sind Nachkommen
dieser Avşar-Gruppen, und ihre Rückkehr 1907 vollendete einen etwa 400-jährigen Zyklus.
Siehe auch: Übersicht.